{Blog-Serie} ― Natürliche Familienfotografie: Warum deine Ausstrahlung der Schlüssel zu atemberaubenden Bildern ist

 

Wurdest Du schon einmal fotografiert? Ich meine nicht das schnelle Gruppenfoto zum 80. Geburtstag von deiner Oma, sondern im Rahmen eines Shootings über eine längere Zeit hinweg. — Kannst Du dich noch daran erinnern, wie es sich für dich angefühlt hat, wenn eine Kamera auf dich gerichtet ist und Du im Fokus stehst, wenn Du beobachtet wirst? Wie ging es dir dabei, was hast Du (in deinem Körper) gespürt, wie hast Du dieses Erlebnis wahrgenommen?

„Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher,
das andere, das geschlossene, blickt tief in die eigene Seele.“

— Henri Cartier-Bresson

Fotografieren ist eine wahnsinnig intime und persönliche Angelegenheit. Nicht nur, weil Du ganz viel von dir, deiner Biografie und deiner „Seelenlandschaft“ in deine Bilder hinein gibst. Auch die Menschen vor deiner Linse „offenbaren“ sich: Sie öffnen sich für einen Moment vollkommen, lassen dich sehr nah an sich heran und zeigen Seiten von sich, die sie vielleicht selbst noch gar nicht kennen.

Die Menschen, die Du fotografieren darfst, bestimmen ganz maßgeblich, wie „ihre“ Bilder werden. Dabei fühlt es sich oft so an, als wären sie der unberechenbarste „Teil“ an der Sache. Deine eigene Persönlichkeit, Ort und Zeit des Fotoshootings sowie deine Bildgestaltung kannst Du selbst bestimmen. Deine Kunden hingegen sind keine Marionetten; sie bringen ihre Geschichte, eigene Ideen, Erwartungen und ggf. auch Ängste mit zum Shooting.

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Mitte der 90er Jahre entdeckte eine italienische Forschergruppe um den Wissenschaftler Giacomo Rizzolatti die Spiegelneuronen, ein weit verzweigtes System von speziellen Nervenzellen im Gehirn, genauer im präfrontalen Kortex. Deine Spiegelneuronen machen dich zu einem mitfühlenden, sozialen Wesen, weil sie die Gefühle anderer in dir hervorrufen: Du gähnst, wenn ein Mensch in deiner Nähe gähnt; Du lächelst zurück, wenn Du angelächelt wirst; Du fühlst ein Unbehagen in dir, wenn dein Kind sich in deiner Gegenwart den Kopf stößt. Aber die Spiegelneuronen werden nicht nur dann aktiviert, wenn Du eine Handlung unmittelbar beobachtest. Sie feuern auch dann, wenn eine Handlung nur erwähnt wird oder Du dir diese Handlung bloß vorstellst.

Was haben die Spiegelneurone nun mit deiner Fotografie zu tun? Damit sich deine Kunden fallenlassen und ungezwungen vor deiner Kamera bewegen können, brauchen sie Sicherheit und Vertrauen. Sie brauchen DICH. — Entsprechend der Theorie der Spiegelneurone reflektieren deine Kunden letztlich nur das, was Du ihnen vorlebst. Gibst Du dich z.B. eher reserviert während eines Shootings, bist gehetzt und irgendwie kurz angebunden, ist es sehr wahrscheinlich, dass „deine“ Familien sich ebenfalls eher verschließen, angespannt und hektisch sind. 

Möchtest Du hingegen echte Verbindung und Momente voller Lebensfreude, Wärme und Lachen einfangen, dann musst Du genau diese positive Energie mitbringen und in deine Sessions hineintragen. — Es ist deine Aufgabe, dein Job, zu deinen Kunden eine tragfähige, herzliche und wertschätzende Beziehung aufzubauen sowie eine einladende, annehmende und fröhliche Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich entspannen und zeigen können, wie sie sind. Ganz konkret könnte dies also bedeuten:

  • Zeig’ dich.
    Über dein Gesicht, insbesondere deine Augen und deinen Mund, kannst Du eine tiefe Verbindungen zu „deinen“ Familien aufbauen. Wenn Du dich jedoch hinter deiner Kamera versteckst, machst Du es ihnen unheimlich schwer, mit dir wirklich in Kontakt zu kommen. Deshalb: Komm’ aus deiner Deckung hervor und zeig’ dich.

  • Sei da.
    Wenn Du mit einer Familie zu einem Shooting verabredet bist, dann sei nicht nur körperlich anwesend, sondern voll und ganz. Nimm dir Zeit, hör’ zu, achte auf die Details, lass’ dich mitreißen vom Flow des Shootings, hol’ deine Kunden innerlich ab und schenk’ ihnen deine volle Aufmerksamkeit. Mach’ deine Shootings nicht zu einem Termin, den deine Kunden ganz schnell hinter sich bringen wollen, sondern zu einem Erlebnis, an das sie sich gern zurück erinnern.

  • Beruhige und bestärke deine Kunden.
    Sag’ deinen Familien während des Shootings immer wieder, wie toll sie aussehen, wie schön die Bilder bereits auf dem Display der Kamera ausschauen und wie gut sie das machen. So wissen sie, dass Du alles unter Kontrolle hast und sich alles so entwickelt, wie Du es dir vorstellst, und sie können sich noch mehr entspannen.

  • Bleib’ in Bewegung.
    Gerade wenn Kinder mit von der Partie sind, ist es wichtig, dass Du schnell bist. Beobachte genau, was sich vor deiner Linse abspielt und drück’ im richtigen Moment auf den Auslöser. Geh’ in die Knie, steig’ nach oben, lauf’ um deine Familien herum, komm’ ihnen nah (für Detail-Aufnahmen) oder entferne dich von ihnen. So kannst Du eine Szene aus verschiedenen Perspektiven einfangen.

„Photography for me is not looking, it’s feeling.
If you can’t feel what you’re looking at,
then you’re never going to get others to feel
anything when they look at your pictures."

— Don McCullin

Falls Du an dieser Stelle einen detaillierten Posing-Guide erwartet hast, muss ich dich leider enttäuschen. — Ich habe schon viele hundert Euro für Posing-Guides ausgegeben und musste immer wieder enttäuscht feststellen, dass mir 99 Prozent der Tipps nichts nützen. Warum? Weil ich eben ICH bin und weil das, was ganz konkret für andere Fotografen funktioniert, nicht zwingend auch für mich funktionieren muss. Aber ein paar Ideen bekommst Du natürlich trotzdem an die Hand:

  • Visualisiere Gefühle.
    Damit Du bestimmte Gefühle und ihren Ausdruck während eines Shootings einfangen kannst, ist es wichtig und notwendig, dass Du dir bevor darüber bewusst bist, wie ein solcher Gefühlsausdruck für dich aussieht und wie Du diese Gefühle hervorrufen kannst. Wie sieht z.B. Glück für dich aus? Was bedeutet es für dich, glücklich zu sein? In welchen Momenten fühlst Du dich glücklich, was löst Glück in dir aus? Wie erkennst Du in anderen Menschen, dass sie glücklich sind? Welchen täglichen Handlungen drücken für dich Glücklich-Sein aus?

  • Entwickle deinen Posing-Flow.
    Du kannst dir die eben genannten Fragen für jedes erdenklich andere Gefühl stellen. Deine Antworten geben dir Aufschluss darüber, worauf Du bei deinen Sessions besonders achten musst. Schau’ dir auch nochmal deine besten Bilder an: Was has Du gemacht, wie hast Du deine Kunden „platziert”, welche Anweisungen/Impulse hast Du ihnen gegeben, wie hast Du die Gefühle aus ihnen heraus gekitzelt? Gibt es Posings, die sich in deinen Shootings wiederholen, weil sie einfach gut funktionieren? Leg’ dir bei Pinterest ein Board an und sammle dort Posing-Ideen und studiere diese ebenfalls sehr genau.

    Schritt für Schritt kannst Du dir so einen Posing-Flow (aus fünf bis zehn Posings) aufbauen, der zu dir und deinen Sessions passt. So kannst Du dich treiben lassen und hast jederzeit die Möglichkeit zu deinem roten Faden zurück finden, auch wenn ein Shooting zwischendurch eine ganz eigene Dynamik entwickelt. — Ich beginne übrigens (fast) jedes Shooting mit einem Gruppen-Portrait mit allen Familienmitgliedern. Denn zu Beginn sind alle noch frisch und munter, ich bin vor allem noch für die Kinder interessant und es fühlt sich erleichternd an, dieses „Must-Have” schon im Kasten zu haben.

    Danach bleibe ich spontan: Ich möchte, dass die Kinder während meiner Sessions wirklich Kinder sein dürfen. Deswegen lasse ich mich gern von ihnen ein bisschen an die Hand nehmen. Es ist immer genug Luft, um gemeinsam die Umgebung zu erkunden, Schnecken zu suchen oder einen Blumenstrauß zu pflücken. Oft ergeben sich dabei ganz nebenbei die schönsten Bilder.

  • Verwirkliche deine Vision.
    Deine Kunden haben keine Ahnung, was dir im Kopf herum geht. Ganz oft stehen sie vielleicht auch das erste Mal vor der Kamera. Du bist der Experte und „deine“ Familien sind nicht nur auf deine Unterstützung angewiesen, sie haben dich genau deswegen gebucht und sind dir dankbar für deine Tipps. — Nimm’ deine Kunden an die Hand, sag’ ihnen, was Du von ihnen erwartest, was Du dir vorstellst, und führe es ihnen (bei Bedarf) auch vor.

Dieser Beitrag ist Teil 5 der Blog-Serie Natürliche Familienfotografie, die ich zusammen mit der wunderbaren Kristina von KRISTINA KOEHLER FOTOGRAFIE ins Leben gerufen habe. Ich freue mich auf dein Feedback, gern auch in unserer Facebook-Gruppe. Du willst noch mehr lesen? Dann findest Du alle bisher erschienenen Posts dieser Blog-Serie in der nachfolgenden Übersicht:

  • Teil 1:
    Was Lifestyle Fotografie ist und warum es mehr als gute Technik für gute Bilder braucht

  • Teil 2:
    Warum Du das Warum hinter deiner Fotografie kennen solltest und wie Du es findest

  • Teil 3:
    Erkenne die Einzigartigkeit deiner Fotografie

  • Teil 4:
    Warum aus deinen größten Herausforderungen deine größten Erfolge werden

Habe ich dich neugierig gemacht, hast Du Fragen oder Anregungen? Hast Du vielleicht das Gefühl, dass Du mit deiner fotografischen Arbeit gerade irgendwie feststeckst und Inspiration, vielleicht in Form eines Mentorings, gut gebrauchen könntest? Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@allesbeginntmitdir.de sowie via WhatsApp und Telegram oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.