{MAMA-LEBEN} ― Ich weiß, dass ich nichts weiß

 

Neulich erlebte ich mal wieder eine Situation, die mich nachdenklich machte. Nach einem langen Tag bei meiner lieben Freundin Sabrina vom Blog MAMAHOCH2 wollte ich mit meinem Räuber nach Hause fahren. Doch der Sohn wollte lieber noch bleiben, ließ sich dann aber irgendwie breit schlagen und wollte für den Übergang noch ein Spielzeug ausleihen. (Er braucht fast immer ein Objekt, um Übergangssituationen zu meistern.) Aber genau DAS kleine Motorrad, dass er so gern mitnehmen wollte, „durfte“ er nicht haben. Das war nicht verhandelbar.

Naja, und dann kam eins zum anderen: Erst wollte er nicht ins Auto einsteigen, dann wollte er sich nicht anschnallen (lassen). Und er weinte und tobte und schrie. ― Gerade wenn der Räuber so voller Wut ist, bin ich ihm körperlich nicht gewachsen und habe nicht genügend Kraft, um ihn z.B. gegen sein Willen in seinen Autositz zu setzen. (Vielleicht stelle ich mich aber auch zu blöd an. Vielleicht hindert mich aber auch etwas in mir daran, weil dies nicht meinem Wert von Gewaltfreiheit entsprechen würde.) Jedenfalls blieb mir in dieser Situation nichts anderes übrig, als zu reden, zu erklären, zu spiegeln und auf Einsicht zu hoffen.

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Ich bin ein geduldiger Mensch. Ich kann ruhig bleiben. (Zumindest bis zu dem Punkt, als der Sohn mich von hinten in den Oberschenkel gebissen hat. Von hinten!!! Dann sagte ich laut und bestimmt, dass es mir jetzt reicht.) Ich kann gebetsmühlenartig meinen Standpunkt darlegen und immer wieder betonen, dass ich jetzt losfahren möchte. Ich kann Gefühle aushalten und auch wenn es für Außenstehende so aussehen mag, als wäre ich heillos überfordert: Ich komme klar. Wirklich.

„Je mehr ich weiß,
desto mehr erkenne ich,
dass ich nichts weiß.‟

— Albert Einstein

Ich will Ruhe ausstrahlen. Ich will meinem Kind keine Vorwürfe oder Druck machen, ihm keine Schuld auslasten. Ich will seine Gefühle begleiten, ihm ein sicherer Hafen sein, Geborgenheit schenken. Ich will, dass wir in Beziehung sind und der Räuber sich frei entwickeln kann. ― Ich meine es gut. Aber gut gemeint, ist nicht immer auch gut gemacht. Alfie Kohn schreibt in seinem Buch „Liebe und Eigenständigkeit: Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung“, dass es nicht nur darauf ankommt, „dass wir selbst davon überzeugt sind, [unsere Kinder] bedingungslos zu lieben, sondern dass sie sich auch auf diese Weise geliebt fühlen.“

Das macht es nicht unbedingt leichter. Denn während ich mir selbst noch irgendwie ein Kompass sein kann, habe ich keine Ahnung, wie meine „Erziehung‟, die ja gar keine Erziehung sein soll, von meinem Kind wahrgenommen wird. Woher soll ich also wissen, ob und wie sich mein Kind bedingungslos geliebt fühlt? Woher soll ich wissen, ob sich mein Räuber (in einer wie oben geschriebenen Situation) angenommen und verstanden fühlt? Dass ich ihm langfristig mit meiner Art wirklich gut tue? Ich habe dafür keine Antwort. Ich weiß nicht, was DAS Richtige ist und wie sich das Richtige über die Jahre hinweg auf meinen Sohn (und uns als Familie) auswirken wird.

Das Problem mit den schweren Entscheidungen

Entscheidungen sind immer dann besonders schwer zu treffen, wenn viele Gründe für die verschiedenen Alternativen sprechen. Es ist also keine Option wirklich besser oder schlechter als die andere. Oft kommt noch hinzu, dass die unterschiedlichen Möglichkeiten für unterschiedliche Werte stehen, die gleichermaßen wichtig sein können.

Ruth Chang, eine US-amerikanische Philosophin sagt in diesem Video, dass es bei schwierigen Entscheidungen nicht um die Frage gehen sollte, welche Wahl die bessere ist, sondern darum, welcher Mensch ich sein möchte. — Für den Alltag und das Leben mit meinem Sohn bedeutet das für mich, dass ich so handle, dass es sich für mich in genau diesem Augenblick stimmig anfühlt UND (!!!) mit meinen Werten übereinstimmt. Und das tariere ich ggf. von Situation zu Situation neu aus.

Natürlich hilft mir dieser Ansatz nicht immer dabei, den enormen Druck rausnehmen zu können und an manchen Tagen nehme ich meine Zweifel auch mit ins Bett. Und ich weiß auch immer noch nicht, ob all meine guten Absichten von meinem Sohn auch als genau das empfunden werden. Aber dieser Gedanke hilft mir, mich daran zu erinnern, dass ich immer nur genau diesen EINEN Moment habe. Nicht mehr und auch nicht weniger. — Nein, ich kann nicht wissen, wie mein Tun von heute mein Kind von morgen beeinflussen wird. Ich kann nur hoffen und darauf vertrauen, dass das, was von meinem großen Herzen kommt irgendwo in diesem kleinen Herzen Spuren der Liebe hinterlässt.

 

Habe ich dich neugierig gemacht, hast Du Fragen oder Anregungen? Sagt dir dein Bauch, dass ich genau die richtige Fotografin für dich sein könnte oder einfach genau die Mama, mit der Du mal einen Kaffee trinken möchtest? Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@allesbeginntmitdir.de sowie via WhatsApp und Telegram oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.

 
Mama-LebenKarolin Rögner