{MAMA-LEBEN} ― Du musst dich nicht schuldig fühlen, auch wenn du nicht immer alles richtig machst

 

Ich mache mir Vorwürfe: Seit einiger Zeit weiß ich, dass die Zähne meines Räubers nicht im besten Zustand sind. Wir haben es probiert mit dem Zahnarzt und obwohl es (zumindest aus meiner Erwachsenen-Perspektive) keine negativen Erlebnisse gab, konnte der Sohn kein Vertrauen fassen und sich nicht auf eine Behandlung einlassen. ― Bis sich vor zwei Tagen der Zustand an einem seiner Zähnchen so verschlechterte, dass schnell eine Lösung her musste. Eine Lösung, die wir so nicht auf unserem Plan hatten.

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Nun mache ich mir also Vorwürfe: Warum habe ich nicht besser auf ihn geachtet? Ich hätte seine Zähne viel öfter nachputzen müssen. Warum habe ich die Thematik so unterschätzt und vertraut, anstatt mehr zu kontrollieren? Dann hätte ich das vielleicht vermeiden können. ― Schuldgefühle. Sie sind oft ein Begleiter des Alltags, aber seitdem ich Mama bin, warten sie auf mich an jeder Ecke. Denn Gründe, sich als Mutter schlecht und nicht gut genug zu fühlen, gibt es viele: Weil Du dein Kind zu kurz stillst („Das ist ja schon ziemlich egoistisch von dir.‟) oder zu lange („So kommt dein Baby ja nie von dir los.‟) oder weil Du dein Kind zu früh in den Kindergarten bringst („Die Zeit ist ja nur einmal im Leben.‟) oder zu spät („Irgendwann musst Du ja auch mal loslassen.‟) oder weil Du …

Ein innerer Konflikt

Schuldgefühle (gern auch in Kombination mit einem schlechten Gewissen und Scham) sind oft ein Konflikt zwischen deinen eigenen Bedürfnissen (und Interessen) UND denen anderer Menschen bzw. deinen Idealvorstellungen über dich selbst. Sie beziehen sich auf eine Situation, die in der Vergangenheit liegt, die aber möglicherweise noch Auswirkungen auf unser jetziges Leben hat. Du fühlst dich also z.B. schlecht, weil Du dich nicht so verhalten hast, wie es eine andere Person von dir erwartet hat; weil Du ihre Erwartungen enttäuscht hast. Oder weil dein Handeln nicht mit dem Bild, dass Du von dir hast, übereinstimmt. Du bist doch sonst immer so ruhig, wie konntest Du nur in diesem Moment so die Fassung verlieren?

Schuldgefühle entstehen in dir und werden durch dich selbst erschaffen: Sie spiegeln die Art und Weise wider, wie Du dich und dein Verhalten bewertest. — Mit zugespitzten Warum-Fragen („Warum habe ich das nicht bemerkt?‟) und demütigenden Hätte-Wäre-Wenn-Sätzen („Ich hätte es besser wissen müssen.‟), mit denen Du dich selbst immer wieder anklagst und verurteilst, hältst du dich gedanklich in der Vergangenheit fest. Am liebsten würdest Du die Zeit zurück drehen und es anders machen, aber das geht nicht. Auch wenn Du es vielleicht nicht aussprichst, so denkst Du, wenn Du nur richtig leidest, bereust und dich elend fühlst, könntest Du Buße tun und es wieder gut machen. Du fühlst dich schuldig und machst dich zum Schuld-Ich.

Dein vergangenes Ich

Ganz oft wird dabei vergessen: Dass Du über dein „vergangenes Ich“ urteilst mit dem Stand der Entwicklung, den Du JETZT hast, den Du aber damals noch nicht hattest, so dass Du die Tragweite und Komplexität deiner Entscheidung vielleicht gar nicht überblicken konntest. Möglicherweise wirst Du nun sagen, dass Du das Wissen damals auch schon hattest. Ja, das kann sein. Dennoch befandest Du dich in einem anderen emotionalen Zustand, der dich dazu gebracht hat, zu genau diesem Ergebnis zu kommen.

Aber wie dem auch sei: Du hast damals das Beste getan, was Du tun konntest. — Ja, manchmal ist das Beste nicht besonders toll und manchmal ist das Beste auch richtig beschi**en, aber es war das Beste. Mehr ging nicht. Hättest Du es besser machen können, hättest Du es besser gemacht. Weil Du früher eben noch nicht deine heutige Perspektive oder deine heutigen Ressourcen hattest.

Du bist auch nur ein Mensch

Echte Passivität gibt es nicht: Was wir tun, hat immer auch Auswirkungen auf andere und auch wenn wir es nicht wollen und es um jeden Preis zu verhindern versuchen, kann es passieren, dass wir anderen Menschen schaden und sie verletzen. ― Bitte versteh’ mich nicht falsch: Es geht nicht darum, dass dir gleichgültig sein soll, wie Du dich gegenüber anderen Menschen verhältst oder was dein Verhalten in ihnen auslösen könnte. Aber es hilft niemandem, sich dauerhaft in Schuldgefühlen zu verlieren. Sie lähmen dich, schränken deine Lebensfreude stark ein und machen dich handlungsunfähig. Indem Du das Geschehene immer und immer wieder in deinem Kopf durchspielst, erlaubst Du dir nicht, im Hier und Jetzt zu sein und wirst blind für all die schönen Momente. So vergiftest Du nicht nur dich, sondern auch die Beziehungen zu all den Menschen, die dir etwas bedeuten, um dich herum gleich mit.

Schuldgefühle verändern nicht die Welt, aber sie können ein Kompass sein und dir zeigen, wo Du noch versteckte Potentiale hast. Wo Du noch wachsen, reifen und dich entwickeln darfst. Wo Du Dinge besser machen kannst. ― Und wo Du Schuld in Verantwortung verwandeln kannst. Statt dich also quälend zu fragen „Warum?“, darfst Du dich fragen „Wozu?“ und wie immer das Beste daraus machen. 

 

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