{MAMA-LEBEN} ― Regretting Motherhood? Warum wir eine falsche Erwartung an das Mama-Sein haben

 

Ich hatte eine sorgenfreie Schwangerschaft. Ich freute mich auf mein Baby, hatte ein schönes und respektvolles Geburtserlebnis. Alles prima. ― Dann gab es einen Moment, einen kurzen Augenblick. Es war der zweite Abend, die zweite Nacht mit meinem Kind. Ich schreckte aus dem Schlaf hoch, spürte in meinen Bauch. Da war nichts: Keine Bewegungen. Nur Stille. Leere. Für eine Sekunde bekam ich Angst: Mein Baby, ich fühlte es nicht. Ob es ihm gut geht? Und gleichzeitig begriff ich, dass mein Kind nicht mehr in meinem Körper zu Hause war; dass ich nie wieder auf diese Art mit ihm verbunden sein werde.

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Es war ein Moment des Abschieds. Ich sah mein Baby im Schein der Lampe an. Es war mir nah und gleichzeitig doch auch so fern. Langsam wurde mein Räuber unruhig; ich legte ihn an meine Brust. Ich war müde; erschöpft; mein Rücken tat mir weh. Ich schaute rüber zu meinem Mann, der friedlich schlief, während ich (schon wieder) wach war. ― Plötzlich wurde mir klar: So würde es jetzt für sehr lange Zeit sein. Dass ich die Bedürfnisse eines anderen Menschen über meine stelle, ich Verantwortung übernehme für eine kleine Seele. Und da hörte ich zum ersten Mal diese Stimme in meinem Kopf, die flüsterte: „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt mit dem Mama-Sein?"

Große Liebe, großes Leid

Regretting Motherhood. Die israelische Soziologin Orna Donath veröffentlichte 2015 eine nicht-repräsentative Studie, bei der sie Frauen befragt hatte, die die folgende Frage klar verneint hatten: „Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, mit Ihrem heutigen Wissen und Ihrer Erfahrung, würden Sie dann nochmal Mutter werden?“ ― Die eigene Mutter-Rolle bereuen. Nein, das heißt nicht, das eigene Kind nicht zu lieben. Es bedeutet vor allem, sich eingeengt zu fühlen von all der „Fremdbestimmung“. Dass all die Veränderungen, die das Mama-Sein mit sich bringt, überwiegend NICHT als Bereicherung wahrgenommen werden, sondern als extremer Stress und dauerhafte Belastung. Enttäuscht zu sein, weil die Mutterschaft nicht die Erfüllung bringt, nach der sich eine Frau gesehnt hat. „Wie viele schöne Momente braucht es, um den Verlust des eigenen Lebens auszugleichen?“, fragt die Reisejournalistin Sarah Fischer in ihrem Buch „Die Mutterglück-Lüge ― Regretting Motherhood: Warum ich lieber Vater geworden wäre“.

In einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Entwicklung und der Universität of Pennsylvania wurden 200.000 über 15 Jahre alte Männer und Frauen aus 86 Ländern zu ihrem Lebensglück befragt. Wie sich global zeigt, sinkt das Glücksniveau für Eltern unter 30 ab dem ersten Kind mit jedem weiteren. Aber schon 30- bis 39-jährige Eltern (mit bis zu drei Kindern) fühlen sich genauso glücklich wie kinderlose Paare. Ab 50 Jahren fühlen sich Eltern dann in jedem Fall glücklicher als kinderlose Paare, unabhängig von der Anzahl der Kinder.

Hochsensible Mutterschaft

Gerade hochsensible Frauen haben „gute Chancen“, sich nicht gut in ihre Mutter-Rolle einzufinden. Durch die zum Teil ungefilterte Wahrnehmung erleben sie die Anforderungen, die der Alltag mit Baby und Kind mit sich bringt, oft als permanenten Stress. Und haben gleichzeitig kaum eine Möglichkeit, sich zu erholen, obwohl sie Regeneration so dringend bräuchten. (Dringender vielleicht als „normal sensible“ Mütter.) Ein gefühlt endloser Zustand verbunden mit dem Wunsch, dass der Tag möglichst schnell vorbei ist. Und dann noch diese Scham: Denn sollten sie nicht eigentlich super-happy sein?

Manche Leute sagen: „Sowas weiß man doch vorher!“ ― Klar, habe ich mir Gedanken gemacht. Ich hatte für einige Jahre im Kindergarten gearbeitet und schon einmal gehört, wie laut Kinder sein können; wie eklig Baby-Kotze sein kann und wie herausfordernd es ist, verschiedene Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Eigentlich fühlte ich mich ganz gut vorbereitet. „So schlimm kann das doch nicht werden!“, sagte ich mir ganz oft. Doch ehrlich gesagt, ich wusste vorher NICHT, wie es sich anfühlt, über Monate hinweg, nicht mehr als zwei Stunden am Stück zu schlafen und wie genau mein Kind meine Persönlichkeit, meinen Körper, meine Partnerschaft und meinen Alltag verändern wird. Etwas bei oder mit anderen Kindern mal stundenweise erlebt oder theoretisch mal gehört oder gelesen zu haben, ist etwas anderes, als es selbst zu durchzustehen. Da richtig drin zu stecken.

Die Sache mit den Erwartungen

Ich liebe meinen Sohn; kann mir mein Leben nicht ohne ihn vorstellen. Ich bereue oder bedauere es nicht, Mutter zu sein. Mit den Jahren fällt es mir immer leichter, zu definieren, wie ich meine Mutter-Rolle leben will. ― Gleichzeitig habe ich das Mama-Sein auch unterschätzt. Vor allem die Tatsache, dass es keine Pausen gibt. Denn auch wenn mein Kind durch andere Menschen betreut wird, habe ich dem Sinne nicht frei. Ich erhole mich nicht, sondern nutze die Zeit, um meine ewig lange To-Do-Liste abzuarbeiten. Und ich kenne sie auch diese Tage, an denen ich schreiend weglaufen möchte. An denen mir alles zu viel ist, ich einfach nur Ruhe will. Nicht nur für ein paar Stunden, sondern für länger. An denen ich denke, mir platzt gleich der Kopf, wenn ich nur noch einmal „Maaaaamaaaaa!!!“ höre. An denen ich mich frage, wie es mir gehen würde, wenn ich nicht Mutter wäre.

Es ist nicht jeden Tag schön, Mutter zu sein. Woher kommt überhaupt die Vorstellung, dass es automatisch glücklich macht, Mutter zu sein? (Schließlich macht ein Leben ohne Kinder ja auch nicht immer glücklich.) ― Hier kommen Erwartungen ins Spiel. Erwartungen sind die gedankliche Vorwegnahme von Ereignissen. Sind sie das, was wir uns wünschen, erhoffen, was wir vermuten. Erwartungen können sehr hilfreich sein, weil sie ein Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit vermitteln. Ganz oft engen Erwartungen jedoch ein: Denn wenn Du dich auf ein bestimmtes Ergebnis fokussierst, wird es immer schwerer, Alternativen zuzulassen. Die eigenen Erwartungen sind dann so fixiert, dass sie nur enttäuscht werden können.

Eine aus dem Hinduismus stammende Gleichung besagt: „Glück = Wirklichkeit minus Erwartungen.” Nimm also die Wirklichkeit und ziehe deine Erwartungen ab. Je größer der Unterschied zwischen der Wirklichkeit und deinen Erwartungen ist, desto weniger Glück empfindest Du. Je mehr Du also deine Erwartungen reduzierst, desto glücklicher müsstest Du sein. — Wenn Du sogar deine Erwartungen auf Null setzt, verändert sich die Gleichung zu „Glück = Wirklichkeit.” Was so viel bedeutet wie, genieße das Leben, akzeptiere jeden Moment. Sei einfach da.

 

Habe ich dich neugierig gemacht, hast Du Fragen oder Anregungen? Sagt dir dein Bauch, dass ich genau die richtige Fotografin für dich sein könnte oder einfach genau die Mama, mit der Du mal einen Kaffee trinken möchtest? Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@allesbeginntmitdir.de sowie via WhatsApp und Telegram oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.