{MAMA-LEBEN} ― Alles halb so wild: Warum Der Alltag die größte Gefahr ist , aber Du dein Kind trotzdem nicht in Watte packen solltest

 

Seitdem ich Mama bin, fliege ich nicht mehr so gern. Hin und wieder stelle ich mir vor, wie wir monatelang z.B. in Thailand überwintern und in der Sonne Sandburgen bauen, während Deutschland friert ... Aber dann denke ich an den Flug hin und wieder zurück und hake dieses Bild ganz schnell wieder ab. — Manchmal habe ich Angst, mein Kind zu verlieren. Meine schlimmste Vorstellung ist, dass wir einen Unfall haben. (Mit dem Auto oder eben mit dem Flugzeug.) Und dass mein Sohn diesen überlebt hat und um Hilfe ruft und weint und Angst hat. Und dass ich entweder tot oder so schwer verletzt in, dass ich ihm nicht helfen kann.

In der Zeitschrift ELTERN habe ich in einem Artikel gelesen, dass vor allem das „Außergewöhnliche" für Eltern bedrohlich wirkt. Gewaltverbrechen, Terroranschläge, schwere Krankheiten. Dabei sollten wir uns eigentlich ganz rational vor dem Alltäglichen fürchten: 85 Prozent der Unfälle von Drei- bis Sechsjährigen passieren nämlich zu Hause. Verbrennungen, Verbrühungen, der Sturz von Wickelkommode oder vom Sofa, ein großer Schluck vom Kloreiniger. Auch wenn’s schlimm kling: Die meisten aller Unfälle enden mit leichten Blessuren und kleinen Beulen. ― Und auch der Straßenverkehr, von dem 64 Prozent der Eltern glauben, ihr Kind sei hier besonders gefährdet, ist viel sicherer geworden. Vor 40 Jahren verunglückten noch 2,5-mal so viele Kinder wie heute, so das Magazin.

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Der bedeutende, inspirierende und unglaublich mutige (Reform-)Pädagoge Janusz Korczak plädierte für das „Recht des Kindes auf den eigenen Tod". „Aus Furcht, der Tod könnte uns das Kind entreißen, entziehen wir es dem Leben; um seinen Tod zu verhindern, lassen wir es nicht richtig leben.“, schreibt er in einem seiner Bücher. ― Vielleicht würde ich es weniger radikal formulieren, aber im Kern ist es richtig. Denn auch ich ertappe mich dabei, wie ich meine eigenen Grenzen zu den Grenzen meines Kindes mache.

Von gut gemeinten Ratschlägen,
die eigentlich gar keine sind

Dabei bin ich immer wieder überrascht, wie gut mein Sohn sich und seine Fähigkeiten einschätzen kann. Er erkennt von selbst, von welcher Mauer er sich zu springen traut und welche Rutsche ihm vielleicht doch zu steil ist. Trotzdem schießt mir gern ein „Pass' auf!" heraus. Eine ganze Weile dachte ich, das sei hilfreich und auf jeden Fall besser, als zu sagen: „Stürz’ mir ja nicht ab!” Aber irgendwann beschlich mich auch da ein ungutes Gefühl und ich fragte mich, ob ich meinem Räuber damit nicht eigentlich auch signalisiere, dass ich ihm und seiner „Risikobewertung“ nicht vertraue.

Die Kanadierin Josée Bergeron weist auf ihrem Blog BACKWOODSMAMA in einem Artikel genau darauf hin: Ein gut gemeintes „Sei vorsichtig!" kann Angst produzieren, wo vorher keine war. Darüber hinaus ist es nicht spezifisch genug, denn es gibt keinen Aufschluss darüber, worauf genau das Kind achten soll. — Die Mutter dreier Kinder schlägt daher folgende Vorgehensweise vor:

  • Stop. Nimm wahr, dass Du im Begriff bist, gleich laut „Pass' auf!" zu sagen. Unterbrich dich selbst dabei!

  • Atme. Spür’ in dich hinein: Wie fühlst Du dich? Gönn’ dir ganz bewusst eine Pause und atme tief ein und aus.

  • Reflektiere und analysiere. Schau’ dir die Situation möglichst objektiv an und stell’ dir die folgenden Fragen: Welcher ernsthafte Schaden könnte sich aus der Situation ergeben? Warum fühlst Du dich in diesem Moment unwohl? Wie lässt die Situation die Fähigkeiten deines Kindes wachsen? Was kann dein Kind aus dieser Situation lernen?

  • Reagiere. Es gibt nicht DIE eine richtige Antwort für alle Situationen. Und klar, wenn dein Kind in Gefahr ist, dann SOFORT greif’ ein. Doch ganz oft musst Du wahrscheinlich einfach gar nichts tun oder dein Kind „nur" dabei unterstützen, seine Aufmerksamkeit zu fokussieren bzw. ein Problem zu lösen.

Wie das konkret aussehen kann? Ganz einfach: Stell’ Fragen! — Immer wenn Du das Bedürfnis hast „Sei vorsichtig!" zu rufen, sieh den Moment als eine Möglichkeit, durch konkrete Fragen dein Kind anzuregen, sich intensiv mit seiner Umgebung und seinem Körper auseinanderzusetzen: Kannst Du sehen, wie rutschig die Steine sind? Spürst Du, wie wackelig der Baumstamm ist, auf dem Du stehst? Merkst Du, wie heiß das Feuer ist? Fühlst Du dich sicher? Haben deine Füße einen festen Stand?

Oder ihm dabei helfen, alternative Handlungsstrategie zu entwickeln: Es sieht so aus, als würdest Du gern auf diesen Baum klettern, aber kommst nicht weiter: Gibt es etwas, das Du anders machen kannst? Was brauchst Du noch, um ein tiefes Loch zu graben? Woran musst Du denken, wenn Du mit deinen Freunden eine Fahrradtour machen willst? Wer wird dich begleiten?

Rahmen und offene Messer

Das Lernen durch eigene Erfahrungen ist am nachhaltigsten. Als Mutter habe ich dennoch das Bedürfnis und auch die Verantwortung, mein Kind zu beschützen. Offenes Fenster, heiße Herdplatte, Brotschneidemaschine. Natürlich lasse ich meinen Sohn nicht ins offene Messer rennen nach dem Motto: „Die Lektion darf ihm jetzt mal das Leben erteilen."

Mutig zu sein, bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern sich seinen Ängsten zu stellen. ― Das Leben ist ein Wagnis, ein großes Abenteuer. Sicherheit erfährt dein Kinder nicht, indem Du es vor allem schützt. Sondern indem Du (kontrolliert) unsichere Situationen mit ihm aufsuchst, in denen es sich ausprobieren und an sich wachsen kann. Und indem Du da bist; deine Hand, ein Taschentuch und ein Pflaster reichst und sagst: „Ich glaube an dich. Du schaffst das."

 

Habe ich dich neugierig gemacht, hast Du Fragen oder Anregungen? Sagt dir dein Bauch, dass ich genau die richtige Fotografin für dich sein könnte oder einfach genau die Mama, mit der Du mal einen Kaffee trinken möchtest? Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@allesbeginntmitdir.de sowie via WhatsApp und Telegram oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.