{MAMA-LEBEN} ― Das Märchen von der Vereinbarkeit: Es ist nicht alles möglich

 

In der Werbung sehen wir glückliche Kinder, die froh Himbeeren auf weißen Sofas naschen. Daneben strahlende Eltern, die zufrieden in ihren sauberen Hochglanz-Küchen stehen. Ohne Abdrücke klebriger Kinderhände, ohne Augenringe. Alle haben sich lieb.

Hinzu kommen noch die „Super-Mamis‟, bekannt aus den (sozialen) Medien. Die, die entspannt in aufgeräumten Kinderzimmern voller nachhaltigem Holzspielzeug sitzen und ihrer Familie — nach einem lehrreichen Nachmittag in der bilingualen Spielgruppe — abends eine warme bio-vegane und glutenfreie Mahlzeit servieren. Die, die ein paar Wochen nach der Geburt des Kindes ihren „After-Baby-Body‟ auf den großen Laufstegen dieser Welt präsentieren. Die, die neben ihrem Büro in der Chef-Etage ein Kinderzimmer mit Nanny einrichten, damit sie quasi aus dem Kreißsaal direkt wieder an die Arbeit gehen können.

Alltag ungefiltert

Liegt es an mir? Bin ich einfach zu faul, zu wenig ehrgeizig, zu unorganisiert und zu wenig belastbar, weil ich nach einem Tag mit Arbeit und Familie abends einfach todmüde mit dem Räuber und einem guten Hörspiel einschlafe? — Es heißt, heute könnte JEDER ALLES erreichen. Alles ist möglich: Ausgeglichene Mutter, strukturierte Hausfrau, liebevolle Gattin und verlässliche Angestellte. Ich sehe und höre mittlerweile zweimal hin, denn ich merke: Es wird verdammt viel geschönt und auch gelogen in der Elternszene.

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Durch die Fotografie lerne ich sehr viele Familien kennen, besuche sie zu Hause und schaue auch hinter die Kulissen. Und ich kann dir sagen: Es ist überall das Gleiche! Leben am Limit. Ich erlebe Väter, die kaputt sind von ihrer 40-Stunden-Woche und gleichzeitig traurig, weil sie nicht soviel Zeit mit ihren Kindern verbringen, wie sie gern möchten. Ich begegne Müttern, die nach ihrem Arbeitstag in Teilzeit die Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule abholen, Einkäufe erledigen, den Haushalt schmeißen, das Drumherum organisieren und die ebenfalls traurig sind. Traurig, weil sie zwar viel Zeit mit den Kindern haben, sie das aber auch nicht immer glücklich macht. Weil sie sich oft einfach nach mehr Zeit für sich allein sehnen.

Eltern, die hoffen, es „irgendwie hinzukriegen‟, ohne später all zuviel bereuen zu müssen. Ohne, dass all zuviel auf der Strecke bleibt. — Und immer dieses schlechte Gewissen. Dieses Gefühl auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, aber nur mit halbem Arsch. Überall zu sein, aber nirgends richtig anzukommen. Sich zu verausgaben und dabei immer zu denken, nicht genug getan zu haben.

Meine persönlichen Erfahrungen decken sich übrigens mit offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im Schnitt entscheiden sich 69 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern für eine Anstellung in Teilzeit. Bei Vätern liegt die Quote lediglich bei sechs Prozent. — Martin Schröder, Professor für Soziologie an der Universität Marburg, will jedoch in einer Untersuchung herausgefunden haben, dass es Männer glücklich macht, einen großen Teil ihrer Lebenszeit im Beruf zu verbringen: „Deutschland ist ein Land, in dem es immer noch normal ist, dass Väter Vollzeit arbeiten und Mütter nicht. Vielleicht ist es einfacher, so zu leben wie alle. Dann muss man sich nicht gegenüber Bekannten, Freunden, Eltern erklären. Sich gegen stereotype Rollenbilder zu stemmen kostet viele Menschen möglicherweise Lebenszufriedenheit. Das bedeutet nicht, dass wir diese traditionellen Rollenbilder super finden, doch wir haben sie anscheinend in uns.‟

Jammern bringt auch nichts

Ich bin sehr froh, dass meine Familie nicht zum Durchschnitt zählt. — Mein Mann spürte nach der Geburt des Räubers und einem kuscheligen Monat gemeinsamer Elternzeit sehr schnell, dass er nicht mehr länger 42,5 Stunden Arbeitszeit (plus Pausen und Fahrtweg) von Frau und Kind getrennt sein will. Nach etwa neun Monaten fand er dann endlich einen Job, in dem ein Arbeiten in Teilzeit möglich war. Plötzlich kam er nicht erst 17.30 Uhr nach Hause, sondern stand schon 14.30 Uhr auf der Matte. Ein Segen.

Sicher, wir kriegen (auch durch meine Selbstständigkeit) Familie und Beruf ganz gut unter einen Hut. Dennoch haben mein Mann und ich (jeder für sich) das Gefühl, zu wenig Zeit für uns als Paar und für persönliche Bedürfnisse zu haben: Lesen, Sport, Treffen mit Freunden (mal ohne Kinder). — Und klar, weniger zu arbeiten, heißt auch ganz oft, weniger Geld in der Familienkasse zu haben. Aber das nehmen wir momentan sehr gern in Kauf und haben uns ganz bewusst für eine minimalistische Lebensweise entschieden. Weniger ist für uns gerade mehr.

Das Leben mit Kind (oder mit Kindern) ist und bleibt ein großer Kompromiss, in dem es darum geht, Prioritäten gegeneinander abzuwägen. Aber ehrlicherweise war es das auch schon, als es nur meinen Mann und mich gab. Denn auch da konnte ich nicht tun und lassen, was ich wollte und wann ich es wollte. Ich will also gar nicht auf hohem Niveau jammern. Denn einen konstruktiven Vorschlag zur Verbesserung habe ich übrigens auch nicht. Denn auch mehr Kindergeld oder ein bedingungsloses Grundeinkommen, qualitativ hochwertigere Betreuung in Kindergärten und Schulen oder flexiblere Arbeitszeiten, wie hier und da gefordert wird, sind auch nicht unbedingt des Rätsels Lösung.

Was bleibt, sind die guten Erinnerungen

Irgendwo in meinem Gehirn gibt es einen Bereich, in dem ich spüre, wie Kräfte zehrend die letzten Jahre waren. (Und da habe ich nur ein Kind.) Aber das Schöne ist, dieses Gefühl ist eher dumpf, verschwommen, nicht konkret. Demgegenüber stehen tausende ganz klare Bilder von purer Freude, Glück und Lebendigkeit. Erinnerungen, die mir sagen: „Dieses Mama-Ding ist einfach verdammt cool.‟

Nein, es ist definitiv nicht ALLES möglich. Zumindest nicht alles AUF EINMAL. Ich habe mich verabschiedet von dem Gedanken der vollkommenen Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit. Ich möchte nicht in der „Selbstoptimierungshölle‟ landen, in der es nur noch um Verbesserung geht. Darum, an Stellschräubchen zu drehen, bis der Alltag bis ins kleinste Detail durchgetaktet ist. — Denn was ich weiß ist, das Leben ist Wandel und Übergang. Es wird nicht mehr lange dauern und der Räuber wird ein Alter haben, in dem er mich als Mutter weniger braucht. Indem er lieber mit seinen Kumpels aus dem Dorf umher stromert, als mit mir auf den Spielplatz zu gehen. Ich stecke jetzt gern zurück im Vertrauen darauf, dass diese Phase endlich sein wird. Und dass es dann Momente geben wird, in denen ich mich sehnen werde nach der „guten alten Zeit‟, in der ich meinte, ich würde nichts schaffen und ich ganz nebenbei vielleicht das Sinnvollste getan habe, was ich je gemacht habe.

 

Habe ich dich neugierig gemacht, hast Du Fragen oder Anregungen? Sagt dir dein Bauch, dass ich genau die richtige Fotografin für dich sein könnte oder einfach genau die Mama, mit der Du mal einen Kaffee trinken möchtest? Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@allesbeginntmitdir.de sowie via WhatsApp und Telegram oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.