{MAMA-LEBEN} ― Warum ich mit meinem Kind anti-autoritär lebe und trotzdem eine Autorität bin

 

Bedürfnisorientiert? Das sind doch die Eltern, die ihre Kinder anti-autoritär erziehen, bei denen die Kinder machen können, was sie wollen. — Das stimmt und es stimmt auch nicht. Ja, als Familie bedürfnisorientiert miteinander zu leben, schließt definitiv eine autoritäre Erziehung aus. Aber das bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt und die Kinder ihren Eltern auf der Nase herum tanzen. Denn eine Autorität zu sein und trotzdem anti-autoriär aufzutreten, schließt sich nicht aus.

Was ist überhaupt eine Autorität?

Im Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik wird Autorität als das Ansehen und die Machtbefugnis einer Person, Gruppe oder Institution definiert. Mit ihr verbunden ist die Möglichkeit, auf andere Menschen (positiven oder negativen) Einfluss auszuüben. Dabei ist Autorität nicht als Eigenschaft, sondern vielmehr als Beziehung zu begreifen. Denn die Autorität muss anerkannt werden; das Autoritätsverhältnis ist damit zweiseitig.

Es gibt verschiedene Formen der Autorität: Während sich die Fachautorität auf fachliches Know-How, Wissen und Expertise begründet, ergibt sich die Amtsautorität, z.B. bei Staatsanwälten, Polizisten oder Schiedsrichtern, durch eine bestimmte (berufliche) Stellung oder Funktion. Bei der personalen Autorität hingegen überzeugt ein Mensch allein durch sein Auftreten, seine Ausstrahlung, seine Persönlichkeit. ― Es ist also ein Unterschied, ob jemand Autorität hat oder eine Autorität ist.

Die autoritäre Erziehung und ihr Gegenteil

Vielleicht erst einmal ein Gedanke vorweg: Das Adjektiv zu Autorität ist autoritativ. Das Adjektiv autoritär hingegen, welches oft mit Autorität in Zusammenhang gebracht wird, stellt die negativen Seiten der Autorität, d.h. Machtmissbrauch, Unterdrückung und Gewalt, dar.

Den autoritären Erziehungsstil beschreibt der dänische Familientherapeut Jesper Juul gern auch als „Elterndiktatur“. Die Eltern bestimmen die Aktivitäten: Es gibt viele Regeln. Strenge, Belohnung und Bestrafung, Drohungen und Einschüchterungen sind an der Tagesordnung. Das dominierende Gefühl ist Angst: Angst, etwas falsch zu machen; Angst, nicht angenommen zu werden; Angst zu versagen. Es gibt eine hierarchische Struktur, bei der die Kinder ganz klar den Erwachsenen untergeordnet sind. Die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder werden kaum berücksichtigt; sie finden kaum emotionale Unterstützung. Als steuerndes Mittel werden Beziehungsabbruch und Liebesentzug eingesetzt; die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist distanziert und kalt.

Weil die Eltern den Kindern überwiegend Vorgaben machen, haben die Kinder kaum eine Möglichkeit, ihre Persönlichkeit zu entfalten und Kreativität zu entwickeln. Selbstständigkeit und eigenverantwortliches Denken werden so gut wie gar nicht gefordert. Schließlich soll das Kind tun, was ihm gesagt wird. — Die Resultate einer autoritären Erziehung sind oft nicht wünschenswert. „Je nach Temperament konnte sich ein Kind oder Jugendlicher beispielsweise entweder zu einem angepassten Duckmäuser entwickeln, der sich passiv in Situationen ergibt, oder zu einem Rebellen, der mit offenem Machtkampf und Gegengewalt reagiert.‟, schreibt schreiben Haim Omer und Philip Streit in seinem Buch „Neue Autorität. Das Geheimnis starker Eltern.‟

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Als dann im Zuge der 1968er Bewegung — und natürlich auch aufgrund der schrecklichen Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg — die autoritäre Erziehung ein Ende, traten neue Modelle, wie z.B. die antiautoritäre oder die kooperative Erziehung oder das Konzept des Laissez-faire, auf den Plan: Es ging um Freiheit, Mitbestimmung, Offenheit und Vertrauen. Ein Kind müsse tun können, was es wolle, dann werde es schon sein volles Potential entfalten

Witzigerweise gehen die Ergebnisse der Laissez-faire-Erziehung in eine ähnliche Richtung wie die der autoritären Erziehung: „Vom Temperament her ,schwache Kinder’ scheinen bei der antiautoritären Erziehung, bei der jeder auf sich selbst gestellt ist, schnell unter die Räder zu kommen. um sich ängstlich, depressiv und mit mangelndem Selbstwert in einer immer komplexer werdenden Welt wiederzufinden. Kinder mit stärkerem Temperament, die alles tun und lassen können, was sie wollen, entwickeln sich oft zu richtigen Tyrannen ihrer Familie, denen nichts heilig ist und die ohne Rücksicht auf Verluste ihre eigenen Interessen durchsetzen. Um ihren Selbstwert ist es meist trotzdem nicht gut bestellt, da sie ebenfalls nie gelernt haben, mit Schwierigkeiten zurecht zu kommen.‟, heißt es im oben genannten Buch. Vom Aufblühen zu einer selbstverantwortlichen und mitfühlenden Persönlichkeit kann also hier auch keine Rede sein.

Stärke statt macht —
Autorität mit Beziehung

Ohne Autorität geht es also nicht. Denn, wo keine Grenzen sind, gibt es auch keinen Halt, keine Sicherheit, kein Vertrauen. Ich mag das Bild der Autorität als Anker. Bodenständig, verbunden und verbindend, ruhend, selbst verankert, schützend, aber immer auch bereit, loszulassen. — Ob Du es willst oder nicht: In jedem Fall HAST Du gegenüber deinem Kind Autorität. Denn Du bist erwachsen, stehst „in der Hierarchie“ weiter oben und hast die Möglichkeit, auf die Entwicklung deines Kindes einzuwirken. Und: Dein Kind schaut zu dir auf; es erkennt dich in „deiner Position“ an.

Darüber hinaus kannst Du aber auch eine Autorität SEIN, weil Du eine bestimmte innere Haltung vertrittst. Gerade weil Du deinem Kind auf Augenhöhe begegnest. — Eine Autorität zu sein, heißt nicht gleichzeitig, auch autoritär zu sein. Und anti-autoritär zu sein, bedeutet nicht, keine Autorität zu sein, sondern eben nur nicht autoritär aufzutreten. Das ist und das macht einen Unterschied.

 

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