{MAMA-LEBEN} ― Konsequenzen in der Erziehung? Ja, aber natürlich ...

 

Neulich besuchten wir im Rahmen einer Geburtstagsfeier ein Restaurant mit einem weitläufigen Gelände. Neben einem Spielplatz gab es dort auch einen kleinen Streichel-Zoo. Ganz besonders interessierte sich der Räuber für eine Ente, die in einer kleinen Hütte saß. „Hallo, Ente.“, sagte er stürmisch und betrat ihr kleines Haus. Es war eng und er war laut und fuchtelte wild mit seinen Armen herum. — Ich erklärte ihm, dass die Ente sich sicher bedrängt fühlen, Angst haben und womöglich zuschnappen könnte, und bat ihn mehrmals heraus. 

Dann ging alles sehr schnell und noch ehe ich selbst aktiv werden und reagieren konnte, klärte die Ente aufgebracht die Situation und zwickte den Räuber mit einem kämpferischen Schnattern in den Hals. Der erschrak sich, weinte und suchte Schutz bei mir. Ich nahm ihn in die Arme, spendete Trost. Und dankte innerlich der Ente für diese sehr nachhaltige Lernerfahrung.

Über den Unterschied von
natürlichen und logischen Konsequenzen

Konsequenz wird übersetzt als Folge; wer konsequent handelt, handelt also folgerichtig, zielstrebig und beharrlich. Im „allgemeinen Erziehungsalltag“ lassen sich grundsätzlich zwei Formen von Konsequenzen unterscheiden. — Natürliche Konsequenzen sind, wie der Name schon sagt, all jene Konsequenzen, die sich ganz natürlich, also ohne aktives elterliches Eingreifen einstellen. Wenn dein Kind z.B. im Winter barfuß vor die Tür geht, dann bekommt es sehr wahrscheinlich kalte Füße; wenn es mit bloßen Händen auf eine heiße Herdplatte fasst, dann wird es sich wohl die Finger verbrennen.

Und dann gibt es noch „künstliche“ Konsequenzen, die gern auch als logische oder liebevolle Konsequenzen bezeichnet werden: „Wenn Du jetzt nicht aufhörst, mit Sand zu schmeißen, dann kriegst Du nachher kein Eis.“ oder „Wenn Du dich jetzt nicht beeilst, dann fahre ich ohne dich los.“ oder „Wenn Du jetzt nicht aus der Wanne kommst, dann lese ich dir keine Gute-Nacht-Geschichte vor.“ — Auf den ersten Blick mögen logische Konsequenzen sogar sinnvoll klingen. Natürlich hätte ich, um bei der eingangs erwähnten Situation zu bleiben, meinem Räuber auch sagen können: „Wenn Du die Ente nicht in Ruhe lässt, dann gehen wir jetzt nach Hause.“ Damit hätte ich ihm eine scheinbar logische Konsequenz aufgezeigt. Tatsächlich aber ist das Antreten des Nachhausewegs keine direkte Folge des Handelns meines Sohnes. (Und damit streng genommen auch gar keine Konsequenz.)

NeugeborenenfotografieJenaTrageberatungJenaBabybauchJenaSaaleHolzlandKreisKarolinRögner-4.jpg

Logische Konsequenzen sind ein „Erziehungsmittel“ und dienen dazu, das (unerwünschte) Verhalten des Kindes an das von den Eltern gewollte Verhalten anzupassen. In dem Du deinem Kind aktiv, willkürlich und ganz bewusst etwas entziehst, das es mag oder worauf es sich freut, oder ihm eine „Zwangsmaßnahme“ auferlegst, sanktionierst Du sein Verhalten, das dir missfällt. Kurz gesagt: Du bestrafst dein Kind.

Das Problem mit den künstlichen Konsequenzen

Auch wenn natürliche Konsequenzen für den Betroffenen sehr unangenehm (und vielleicht auch schmerzhaft) sein können, stellen sie den Wert des Menschen nicht in Frage. Sich die Finger an der heißen Herdplatte zu verbrennen, tut ganz sicher weh, aber es gibt einem Menschen nicht das Gefühl, dass er nicht richtig ist. — Künstliche Konsequenzen jedoch schon: Sie werten ab und belasten damit langfristig die Eltern-Kind-Beziehung. Gehören künstliche Konsequenzen dauerhaft zum Alltag, leben Kinder quasi ständig in Angst, weil die Erwartung der nächsten „Strafe“ immer präsent ist. Die Beziehungen innerhalb der Familie sind damit von Misstrauen und einem Machtgefälle geprägt und nicht von Liebe, Sicherheit, (Ur-)Vertrauen, Verständnis und bedingungsloser Annahme. Der Stärkere sitzt am längeren Hebel. „Kinder, die bestraft werden, verlieren vor allem eines: Das Vertrauen. In ihre Eltern, in die eigenen Gefühle, daran geliebt zu werden und letztlich auch das Vertrauen an sich selbst. (…) Eltern tun etwas aus Liebe und senden dabei die genau gegenteilige Botschaft an das Kind. Es fühlt sich nicht gesehen. Es fühlt sich nicht geliebt.“, schreibt Aida S. de Rodriguez in diesem Beitrag auf ihrem Blog ELTERNMORPHOSE.

Zudem entstehen durch Sanktionen Ärger und Wut bei Kindern. Und der Wunsch nach Rache. Oft wird dieser erst noch unterdrückt und staut sich an. Irgendwann später, manchmal auch erst sehr viel später im Erwachsenenalter, kommt es dann zur Entladung z.B. gegenüber Geschwistern oder Tieren. Auch die emotionale Entwicklung wird beeinträchtigt. Denn ein Kind erfährt wiederkehrend in Konflikten: „Meine Gefühle sind falsch; ich muss meine Gefühle zurückhalten. Meine Bedürfnisse und Wünsche sind nichts wert und werden nicht beachtet. Meine Meinung wird nicht gehört. Ich muss mich anpassen, um geliebt zu werden und Strafen zu entgehen.“ — Ein Kind hat so nicht die Möglichkeit, alle Gefühle ohne Einschränkungen wahrzunehmen und auszuleben. Vielmehr lernt es, dass es „gute“ und „schlechte“ Gefühle gibt, die es zeigen darf bzw. nicht zeigen soll. Sein eigenes Empfinden wird durcheinander gebracht, weil es sich „zusammenreißen“ oder „nicht so anstellen“ sollen.

Außerdem nimmst Du deinem Kind so auch die Chance, sich einzufühlen sowie Sensibilität (für andere und für sich selbst) und Empathie zu entwickeln. — Denn dort, wo die „Anwendung“ logischer Konsequenzen das Miteinander bestimmt, wird Kindern sehr wahrscheinlich gar nicht erst erklärt, warum sie z.B. nicht mit den dünnen Turnschuhen in die Pfütze springen oder ihren Schokoladen-Mund an der Tapete abschmieren sollen.

Damit wird übrigens auch eine konstruktive Auseinandersetzung verhindert, denn das Bedürfnis hinter dem Verhalten wird nicht gesehen und der eigentliche Konflikt wird nicht bearbeitet. Statt also gemeinsam nach alternativen Lösungen zu suchen, die die Bedürfnisse aller berücksichtigen, trittst Du als „Gesetzeshüter“ und Richter auf, demonstrierst deine Macht und signalisieren deinem Kind: „Irgendjemand wird das Problem schon für dich klären. Der Stärkere hat eh das Sagen.“

Heißt das jetzt, das Kinder machen können, was sie wollen?

Nein, natürlich nicht. Aber es könnte zumindest heißen, dass Kinder nicht machen müssen, was sie nicht wollen. „Im Umgang mit Kindern geht es weniger darum, konsequent zu sein, als eher darum, konsistent zu sein. (…) Wenn Eltern um der Konsequenz willen konsequent sind, wird das schnell destruktiv und endet mit Geschrei und Machtkampf. Konstruktiv und für die Kinder wichtig ist dagegen, dass sie Erwachsene erleben, die in ihrem Denken, Fühlen und in ihren Werten beständig sind und sich auch dementsprechend verhalten und nicht widersprüchlich agieren; die also konsistent sind.“, schreibt Katharina Saalfrank in ihrem Buch „Was unsere Kinder brauchen. Sieben Werte für eine gelingende Elter-Kind-Beziehung“, das ich dir übrigens unbedingt empfehlen kann.

Keine Diskussion mit deinem Kind kann so brenzlig sein, dass Du dabei vergisst, welche Werte dir am Herzen liegen. Für mich beginnt daher alles mit der zentralen Frage: Wie möchtest Du behandelt werden? Was wünschst Du dir für dein Kind, welche Persönlichkeitseigenschaften „soll“ dein Kind einmal entwickeln? Und wie willst Du als Mutter auftreten, wie soll dein Kind dich als Mutter in Erinnerung behalten? — Wenn es dein Wunsch ist, dass sich dein Kind langfristig zu einer eigenständigen, verantwortungsvollen und mitfühlenden Persönlichkeit entwickeln, dann stehst Du dir mit logischen Konsequenzen selbst im Weg. Sie mögen kurzfristig „funktionieren“, aber langfristig schießt Du mit ihnen aus oben genannten Gründen übers Ziel hinaus.

Die täglichen Machtkämpfe mit deinem Kind machen dich müde, entfernen euch voneinander und bringen am Ende keinen Gewinner hervor, sondern zwei Verlierer. Dabei steckt in ihnen so viel Potential, euch einander näher zu bringen und gemeinsam zu wachsen. — Du willst wissen, wie du aus der sich abwärts drehenden Machtkampf-Spirale aussteigen und andere Wege gehen kannst? Dann lies unbedingt in diesem Beitrag weiter.

 

Habe ich dich neugierig gemacht, hast Du Fragen oder Anregungen? Sagt dir dein Bauch, dass ich genau die richtige Fotografin für dich sein könnte oder einfach genau die Mama, mit der Du mal einen Kaffee trinken möchtest? Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@allesbeginntmitdir.de sowie via WhatsApp und Telegram oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.

 
Mama-LebenKarolin Rögner