{MAMA-LEBEN} ― Bedürfnisorientierte Elternschaft = Selbstaufopferung?

 

Vor einigen Tagen stieß ich auf diesen Beitrag von Carolin Rosales, der Gründerin des Blogs StadtLandMama. Darin setzt die Mutter von zwei Kindern das Konzept des Attachment Parenting mit Selbstaufgabe gleich und kommt schließlich zu dem Schluss, dass sie nun doch wieder mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse achtet und auch einmal „Nein!“ sagt und damit dem Attachment Parenting (aus ihrer Sicht) wieder den Rücken kehrt. — Ist das so? Bedeutet Attachment Parenting wirklich, die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und sich komplett für die Kinder aufzuopfern?

 

WAS IST EIGENTLICH ATTACHMENT PARENTING?!

Der Ansatz des Attachment Parenting wurde von dem US-amerikanischen Kinderarzt und achtfachen Vater William Sears entworfen und beschreibt eine „Erziehungslehre“, die darauf ausgerichtet ist, eine sichere Mutter-Kind-Beziehung aufzubauen und zu stärken, indem die Mutter die kindlichen Bedürfnisse wahrnimmt, versteht und befriedigt. Dabei sind vor allem die Kontaktaufnahme/Bonding direkt nach der Geburt, Stillen nach Bedarf, Tragen, gemeinsames Schlafen im Familienbett, das Ernstnehmen des kindlichen Weinens/Schreiens, der Verzicht auf Schlaf-Training und die Balance zwischen den Bedürfnissen von Kind und Mutter als „Werkzeuge“ in diesem Konzept essentiell.

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William Sears bezieht seine Theorie ausschließlich auf den Umgang mit Babys. Weder Langzeit-Stillen, Windelfrei, Babyled-Weaning oder die „Abwendung von klassischer Erziehung“ spielen darin eine Rolle. — Dafür stellt William Sears aber in Aussicht, dass Eltern, die seine Tipps anwenden, später weniger „Ärger“ mit ihren Kindern haben werden. Sein Ansatz ist also eine Investition in die Zukunft. (Übrigens beschreibt Nicola Schmidt vom Artgerecht-Projekt in ihrem Buch „Artgerecht. Das andere Baby-Buch“ diesen Gedanken als Satz von der Energieerhaltung: „Wir investieren immer die etwa gleiche Menge Energie in ein Kind, bis es glücklich und gesund auf eigenen Füßen steht. Der Trick ist: Wir können entscheiden, WANN wir diese Energie investieren! Es gilt: Je früher wir es tun, desto leichter fällt es uns.“ Kurz gesagt: Wenn wir in den ersten Jahren ordentlich in unsere Kinder „rein buttern“, wird sich das hinten raus positiv auswirken.)

Ich persönlich konnte mich mit dem Attachment Parenting-Begriff als Beschreibung für die Art, wie wir als Familien leben, nie so richtig anfreunden. Er erscheint mir zu sehr wie eine Methode. — Damit ein Gericht gelingt, kommt es meiner Meinung nach aber nicht nur auf die Zutaten an, sondern auch auf die Zubereitung. Ich mochte daher immer mehr die Bezeichnung „Bedürfnisorientierte Elternschaft“, die sich im Zusammenhang mit Attachment Parenting herausgebildet hat. Weil sie für mich mehr das WIE, die Haltung in den Vordergrund stellt, und weniger das WAS.

Hausgeburt, bio-vegan Ernährung, nachhaltiger Konsum aus fairem Handel, Homöopathie und Impfkritik, Holzspielzeug, Reboarder, Alltag ohne Fremdbetreuung, Minimalismus und Homeschooling, all das ist sicher interessant und viele Familien, die sich für einen bedürfnisorientierten Weg entschieden haben, werden über diese Begriffe schon einmal gestolpert sein, aber all diese Punkte sind nicht ausschlaggebend für die innere Einstellung. Es gibt nicht den EINEN Weg, es gibt nur deinen bzw. euren Weg.

 

UND WAS ATTACHMENT PARENTING NICHT IST …

Ja, es gibt diese „Hölle“, wie es Carolin Rosales in ihrem Artikel benennt, aber dieser Wahnsinn rührt nicht von der Idee des Attachment Parenting. Er setzt sich zusammen aus der Angst, etwas falsch zu machen und als Mutter zu versagen, dem Druck, unbedingt DAS Richtige für das Kind zu tun, und einem fehlenden Bewusstsein oder Gefühl für sich selbst. So kommt es dazu, dass Eltern ihre Kinder alles bestimmen lassen, Konflikte mit ihren Kindern scheuen und immer wieder ihre eigenen Belastungsgrenzen übertreten, bis sie als Person gar nicht mehr zu erkennen sind.

 

„EINES DER GEHEIMNISSE GUTER SELBSTFÜRSORGE IST,
DASS EIN NEIN EINE GENAUSO LIEBEVOLLE ANTWORT SEIN KANN WIE EIN JA.“ 

— NORA IMLAU

 

Bedürfnisorientiert mit Kindern als Familie zu leben, das heißt nicht, vorbehaltlos die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder immer zu erfüllen. Es bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und mich voller Fürsorge meinem Sohn, meinem Mann und natürlich auch mir selbst zuzuwenden. Und es geht darum, zu gewichten, wessen Bedürfnisse am wenigsten aufgeschoben werden können. — Mein Universum hat seit der Geburt meines Räuberjungen definitiv ein ganz anderes Zentrum, trotzdem darf ich mich auch um mich selbst drehen. Denn nur, wenn es mir selbst gut geht und ich mit mir im Einklang bin, kann ich auch für andere da sein und mein Bestes für sie geben.

 

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Mama-LebenKarolin Rögner