{INTERVIEW} Vier Fragen an Nicole, Beraterin bei Still- und Trageberatung KÄNGURU

 

Manchmal ist ein Zuhause ein Ort. Die Stadt, in der wir geboren wurden; die Lieblingsbank im Park oder die Kneipe, in der wir die große Liebe unseres Lebens kennengelernt haben. Aber wenn ich mir die Bilder von Nicole, Beraterin bei STILL-UND TRAGEBERATUNG KÄNGURU und Bloggerin auf WINTERKIND, und ihrer Tochter ― eingekuschelt in eines der zarten Tücher von LOLLIK ― so anschaue, dann weiß ich, manchmal fühlen wir uns auch bei einem anderen Menschen zu Hause. Weil wir uns bei ihm fallen lassen und ganz wir selbst sein können, weil er uns annimmt, für uns da ist, weil er uns hält und trägt. In seinen Armen, in seinem Herzen, in seinen Gedanken.

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Liebe Nicole, in einem unserer sehr persönlichen Gespräche erzähltest du mir, dass du selbst eher „konservativ erzogen“ wurdest. Wie bist du zur Attachment Parenting-Bewegung gekommen und warum erschien sie dir, als der für euch passende Weg?!

Bevor ich Mutter wurde, hatte ich noch keine klare Vorstellung davon, wie ich meine Kinder mal großziehen wollte. Nur eins wusste ich: Ich wollte niemals eine strenge Mutter sein, mit klaren Regeln und Vorstellungen. Ich wollte für meine Kinder eine liebevolle, verständnisvolle Mutter sein, die sie ernst nimmt, egal wie klein und nichtig ihre Probleme erscheinen. Denn das hatte ich zu Hause in dem Sinne nie.

Mir fehlte es in meiner Kindheit im materiellen Sinne an nichts. Ich hatte auch wirklich viele Freiheiten. Was mir aber fehlte, war das Wahrgenommen-Werden auf Augenhöhe, einfach mal so in den Arm genommen oder das Gefühl, wirklich bedingungslos geliebt zu werden. Bei uns gab es viele Regeln und viele Strafen für „Normverstöße“. Ich sollte als Kind möglichst unauffällig sein, stets höflich und gehorsam, damit ich in die gesellschaftliche Norm passte und als „gut erzogen“ galt und ich hasste es und rebellierte entsprechend dagegen.

Das wollte ich für meine Kinder nicht. Sie sollten mit allem immer zu mir kommen können, ohne Angst oder Scham. Als dann mein Großer geboren wurde, war es einfach Instinkt, dass ich in die Attachment Parenting-Szene rutschte. Die Bedürfnisse von dem kleinen Wurm standen einfach undiskutabel an erster Stelle. ― Er wurde gestillt, wann er wollte, er schlief bei uns im Bett, solange er wollte (und tut dies mit über drei Jahren immer noch) und er wurde in jeglicher Situation ernst genommen. Als Baby war das natürlich noch weitaus einfacher, so brauchte er nur Milch und Nähe. Jetzt, mitten in der Autonomiephase ist das schon deutlich schwieriger, denn jetzt steht da ein kleiner Dickkopf mit eigener Meinung und eigenem Willen, der diskutieren kann wie ein ganz Großer.

Nicht immer gelingt mir eine AP-konforme Konfliktlösung und oft verfalle ich in Verhaltensmuster, die ich mir geschworen habe, niemals bei meinen eigenen Kindern „anzuwenden“. Doch auch ich bin nur ein Mensch und arbeite an mir und meinen Fehlern, reflektiere mich ständig und versuche einfach das Beste für meine Kinder zu geben. Daher bezeichne ich mich auch eher als „Fifty-Shades-APlerin“, ein bisschen dies und ein bisschen das. Ich hoffe, das dieser kurvige Weg der richtige ist und meine Kinder später einmal auf eine glückliche Kindheit zurückblicken können und das Gefühl haben, immer und überall bedingungslos geliebt worden zu sein.

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Wie hast du deine zweite Schwangerschaft und die Geburt deiner Tochter erlebt?! wie seid ihr als Familie in die Baby-Flitterwochen gestartet? Was war anders als beim „ersten Mal“?

Nunja, es ist wirklich so, wie die meisten sagen, das zweite Kind läuft irgendwie nebenher. So war auch schon die Schwangerschaft. Nachdem ich letztes Jahr ein Kind verloren hatte und wir wirklich lange und mit Hilfe dafür kämpfen mussten wieder dieses Wunder erleben zu dürfen, startete diese Schwangerschaft natürlich mit einer gewissen Angst. Doch diese verflog schnell als wir die magische 13. Woche erreichten. Die Schwangerschaft war zwar präsent aber irgendwie stand sie nicht an erster Stelle. Der Alltag war einfach so vollgepackt, dass kaum Platz war, mich intensiv mit dieser Schwangerschaft zu beschäftigen. Aber das war okay. Körperlich ging es mir blendend und mein Mäuschen entwickelte sich super. Erst am Ende, als ich in den Mutterschutz ging, hatte ich auch mal Zeit mich intensiv mit dem Kind in mir zu beschäftigen und ich genoss es, auch wenn es so langsam echt anstrengend wurde.

Vor der anstehenden Geburt hatte ich aber schon ziemlich viel Angst. ― Meine erste Geburt war katastrophal und sehr traumatisierend, für uns alle Drei. Lange sprach ich mit meiner Hebamme darüber, arbeitete das Erlebte auf und bereitete mich intensiv auf die Geburt vor, wusste was ich wollte und was nicht. Und so konnte ich wirklich eine tolle, selbstbestimmte Geburt erleben. Und auch wenn diese letztlich doch nicht ganz so verlief, wie eigentlich geplant, so war sie doch perfekt. Und genauso perfekt und entspannt starteten wir in die Babyflitterwochen.

Die Maus war einfach zauberhaft, tiefenentspannt und ein echtes „Anfängerbaby“. Nachdem der Große sowohl Schrei- als auch Spuckkind war, war sie eine echte Erleichterung. Aber auch hier muss ich sagen, war der Alltag wieder viel zu schnell da und das Mäuschen wurde gleich in den Trubel hineingeboren. Aber mit einem dreijährigen Wirbelwind, der viel Action und Bewegung braucht, ist das nunmal so. Da es uns allen aber körperlich wie auch seelisch einfach nur spitze geht, wuppen wir das wirklich ausgesprochen gut, auch wenn mir manchmal das ruhige Wochenbett, wie ich es beim ersten Mal hatte, etwas fehlt.

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Was nimmst du dir aus den letzten fast vier Jahren Erfahrung mit deinem Sohn für die Begleitung deiner Tochter mit?

Mir fällt es deutlich leichter, dieses kleine Mäuschen zu händeln, sie ist einfach überall dabei, wird überall gestillt und ist Vollzeittragling. Beim Großen damals war das alles noch undenkbar, so war ich mir mit vielen Dingen einfach noch zu unsicher, traute mich viele Dinge nicht und wir hatten einfach noch nicht unseren Wege gefunden. Jetzt, nach knapp vier Jahren, bin ich einfach schon so in der Mutterrolle drin und weiß einfach, wie der Hase läuft.

Mich interessiert die Meinung der Gesellschaft nicht mehr, wir haben unseren Weg gefunden und gehen diesen, egal ob es der Gesellschaft so passt oder nicht. ― Da wird eben auch das Baby mitten am Straßenrand gestillt, während sich der Dreijährige aus meinen Tragetüchern ein Bett am Grünstreifen baut, sich nackig auszieht und verkündet, er schlafe heute dort. Vor drei Jahren wäre ich noch im Erdboden versunken und mir wäre es sowas von unangenehm gewesen, jetzt lächle ich bei solchen Aktionen und zucke nur mit den Schultern, wenn mir empörte Blicke zugeworfen werden. Also, mich haben die letzten Jahre definitiv ruhiger gemacht und mir gezeigt, das es egal ist, was andere von mir denken. Wichtig ist, was die Menschen von mir halten, die mir am nähesten stehen.

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Als Still- und Trageberaterin hast du oft intensiven Kontakt zu den unterschiedlichsten Familien. Nicht selten begegnen dir sicher auch überforderte und stark belastete Mütter und Väter, die alles richtig machen wollen und dabei das Gefühl haben, alles falsch zu machen. Welche Worte gibst du ihnen mit?

Das ist ganz einfach und bedarf nicht vieler Worte. Es ist nicht wichtig, alles perfekt machen zu wollen, es reicht einfach, sein Bestes zu geben. Wir alle sind nur Menschen und Menschen machen Fehler. Es ist nur wichtig, sich diese Fehler auch einzugestehen und an sich zu arbeiten, sich zu reflektieren und zumindest versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Auch unsere Kinder wissen, das wir nicht perfekt sind, und es stört sie so gar nicht, denn alles was sie wollen, ist unsere bedingungslose Liebe und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, der Rest ist einfach nur unwichtig. Wir können niemals perfekt sein und schon gar nicht im „Beruf“ der Elternschaft.

 

 

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